Das Rauschen...


    eines Sonntags.

    Nr. 3 - Ein Tag am Strand

     

    Es ist Sonntag, 6.45 Uhr. Das Einzige, das die Stille in Dorum-Neufeld unterbricht ist eine Mischung aus dem Rauschen seichter Wellen am Strand und ein paar tapsenden Hundefüßen, die neugierig und im Slalom den Grünstrand in Dorum-Neufeld erkunden.

    Das Wetter ist für einen norddeutschen Sommer eher mediterran. In der Ferne sieht man zwei Autos die Deichüberfahrt passieren – eines groß und orange und eines klein in dunkelblau. Die Frühschicht rückt an!

    Walter ist Teil eines Mini-Bauhofes, der sich um das Wohl der dortigen Infrastruktur für die Touristen und Einheimischen kümmert. Heute ist er in ganz besonderer Mission unterwegs: Er hat nigelnagelneue Strandkörbe im Gepäck! Gut – Gepäck trifft den Kern der Sache nicht ganz. Eher ein ca. 6 Meter langer Anhänger, der eigens dem Transport der geflochtenen Sitzgelegenheiten dient. Fest und sicher miteinander verzurrt stehen sie nun da und warten auf ihren Einsatz. An allen Stränden der Wurster Nordseeküste stehen übrigens insgesamt etwa 500 Strandkörbe! Da liegt eine Frage ganz besonders nah: Wo verbringen die eigentlich die Sturmflut-Saison? Und wie kommen sie wieder an die Strände in Wremen, Spieka-, Cappel- und Dorum-Neufeld? Nein, sie werden nicht in ihre Einzelteile zerlegt – sie bleiben ganz. Ihr Winterdomizil ist nämlich eine große Scheune. Diese teilen sie sich in der kaltnassen Jahreszeit auf ganzen zwei Etagen mit Gelegenheitsgästen, wie Spielplatzeinrichtung, Fitnessgeräten und der einen oder anderen Schwalbe, die die optimalen Gegebenheiten der alten Scheune  für die Aufzucht ihrer Jungen nutzt. Auch Eulen, Spatzen, Falken und ein Hof-Hund gehören regelmäßig zu den Besuchern der Scheune, der man von außen eigentlich gar nicht ansieht, wem und was sie alles als schützendes Zuhause dient.

    Zurück zum Hier und Jetzt an der niedersächsischen Nordseeküste: Wenige Momente später trifft auch der dunkelblaue Wagen auf dem Strandgelände ein. Hierbei handelt es sich um die für diesen Tag zuständigen „Hüter der Strandkorb-Schlüssel“; Lara und Tabea. Heute sind sie extra früh aufgestanden. Obwohl ihre Schicht eigentlich erst um 8 beginnt, wissen sie, dass sie vorher noch einiges zu tun haben: Sind alle Schlüssel zurück? Stehen die Strandkörbe noch wie am Vortag? Haben sie ausreichend Kleingeld für den Tag? Einige von längst nicht allen Fragen, die sie sich am heutigen Tag stellen werden.


     

    Beim Betreten des Strandkorb-Shops fällt zuerst ein wandfüllender Lageplan mit den Positionen aller Dorum-Neufelder Strandkörbe auf einem Luftbild auf. „Das ist nicht nur wichtig, um den Überblick zu behalten. Unsere Gäste haben unterschiedlichste Wünsche, was ihre Position auf dem Strand angeht. Der eine möchte lieber an den Hundestrand, der nächste unbedingt in die Nähe des Spielplatzes.“ erklärt uns Tabea. Alles in allem sei der Dienst auf einer kleinen Wurt im dortigen Strandkorb-Shop immer sehr angenehm.


    Dennoch berichten uns die zwei von Situationen, in denen es hin und wieder doch schwierig sei, den Gästen Verständnis abzuringen. Ein Beispiel hierfür sei die Tatsache, dass es einige Strandkörbe gäbe, die für eine ganze Saison an eine einzelne Person vermietet werden. An besonders heißen Tagen kann es also durchaus mal passieren, dass diese – trotz eines vollen Strandes - leer stehen. Vermietet werden dürfen sie jedoch nicht. Das sorge hin und wieder für kurzfristiges Unverständnis. Doch was würden wir wohl sagen, mieteten wir uns ein Auto, nutzten es gerade nicht und jemand anderes täte dies in dieser Zeit? Und das nur für einen anteiligen Preis? Das sehen wir ein – begeistert wären wir wohl nicht.

    Auf einmal macht es RUMMS!... Ein hektischer Blick in die Richtung der Geräuschquelle zeigt Walter, wie er einen der taufrischen Strandkörbe ohne Hilfe(!) vom Anhänger hievt und an seinem neuen Platz abstellt. Da steckt Routine drin.

    So langsam tauchen die ersten Gäste auf der Suche nach ihrem Platz für den Tag an der Nordsee auf. Die ist übrigens gerade mal wieder da. Etwa sechs Stunden später wird man stattdessen auf schier unendlich viele Kilometer Wattenmeer blicken können. Schon verrückt diese Gezeiten… Dem widmen wir uns aber ein anderes Mal. Bis dahin lassen wir unsere Seele und die Füße in einem der neuen Strandkörbe baumeln.

    Bis bald!